Unsere Position

 

 

2015

 

Die wichtigsten Elemente der Energie- und Verkehrswende

 

 

Der konsequente Übergang vom fossilen und nuklearen Zeitalter in die solare Zukunft muss oberste Leitlinie der Energie- und Verkehrspolitik sein. Diese Wende ist eine gewaltige Herausforderung, die nur gelingen kann, wenn alle an einem Strang ziehen und wenn nach einem Plan, d. h. nach einem Gesamtkonzept vorgegangen wird.

 

 

Kurzfassung:

 

Der Gesamtenergieverbrauch Österreichs basiert zu fast 3/4 auf fossilen Energieträgern und nur zu gut 1/4 auf erneuerbaren Energiequellen. Energiewende heißt, von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien umzusteigen. Der Anteil erneuerbarer Energien kann aber aus heutiger Sicht etwa bis 2050 (bei ökologisch und sozial verträglicher Nutzung aller Potenziale) höchstens verdoppelt, also um 1/4 erhöht werden.

 

Das Aufkommen aus erneuerbaren Energiequellen würde dann um 2050 bei der Hälfte des heutigen Verbrauchs liegen (und würde sich nur mehr minimal steigern lassen). Bei den fossilen Energien muss bis dahin allerdings eine Reduktion gegen null vollzogen werden, also ein Rückgang um fast 3/4. Die wichtigsten Forderungen lauten daher:

 

1) Halbierung des Gesamtenergieverbrauchs bis 2050

 

2) Um bis 2050 aus erneuerbaren Energiequellen die Hälfte des heutigen Energieeinsatzes überhaupt aufbringen zu können, sind große Anstrengungen nötig. Es müssen - effektiv, nachhaltig und ökologisch/sozial verträglich - alle Potenziale bei den erneuerbaren Energiequellen genutzt werden: Biomasse, Biogas, Umgebungswärme, Sonnenstrahlung, Wasser- und Windkraft usw. Auf diese oder jene Energiequelle zu verzichten, wird sich nicht ausgehen.

 

3) Die Reduktion fossiler Energieträger muss drei Mal so schnell vor sich gehen wie der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien.

 

4) Die österreichische Nachfrage nach Energiedienstleistungen und nach Dienstleistungen im motorisierten Verkehr muss stabilisiert werden, damit die Fortschritte bei der Energie- und Verkehrseffizienz und beim Energie- und Verkehrssparen tatsächlich zu einem Rückgang des Energieverbrauchs führen können und nicht durch wachsende Nachfrage "aufgefressen" werden.

 

5) Wesentlich mehr Aufmerksamkeit als bisher muss der Stromspeicherung geschenkt werden. Denn nicht nur bei der Gewinnung von Strom aus Wind und Sonne, sondern auch bei der Nachfrage nach Strom wird es starke Schwankungen geben, da der Strom die energetische Hauptsäule des Verkehrs werden wird.

 

6) Diese grundsätzlichen Forderungen sind nur umsetzbar, wenn fossile Energieträger (und Atomstrom) staatlich geregelt schrittweise verteuert werden.

 

 

Das bedeutet:

 

-          Die Reduktion fossiler Energieträger muss - wie oben angedeutet - drei Mal so schnell vor sich gehen wie der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien. Der Energie- und Verkehrseffizienz und dem Energie- und Verkehrssparverhalten kommt daher oberste Priorität zu, auch bei den erneuerbaren Energien, sowohl bei der Gewinnung und bei der Bereitstellung (z. B. große Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung) als auch beim Verbrauch (z. B. wärmetechnisch optimierte Gebäude, energiesparende Kraftfahrzeuge, Gehen, Radfahren, öffentlicher Verkehr, Bahn). Langfristige Ziele müssen die Halbierung des Gesamtenergieeinsatzes und der Totalverzicht auf fossile und nukleare Energieträger sein.

 

-          Daher wäre weiterer Anstieg bei der Nachfrage nach Energiedienstleistungen und nach Dienstleistungen im motorisierten Verkehr kontraproduktiv. Es muss gelingen, diese Nachfrage gesamtösterreichisch zu stabilisieren, damit die Fortschritte bei der Energie- und Verkehrseffizienz und beim Energie- und Verkehrssparen zu einem Rückgang des Energieeinsatzes führen können.

- Wichtig ist, dass z. B. durch fortschreitende wärmetechnische Optimierung der Häuser für das Beheizen immer weniger Energie pro m2 benötigt wird. Schlimm wäre es aber, wenn dafür die Wohnfläche pro Person immer größer würde.

- Ebenso wichtig ist es, dass der Energieverbrauch der Autos durch effizientere Techniken kontinuierlich sinkt. Schlimm wäre es aber, wenn dafür größere Autos gekauft würden oder noch mehr Kilometer pro Jahr gefahren würden.

- Diese einschränkenden Richtlinien gelten selbstverständlich für jene Bürgerinnen und Bürger nicht, die ohnehin schon mit einem Minimum an Wohnfläche bzw. an Mobilität auskommen müssen. Diesen Wohlstandsnachzüglern muss ein Aufholen ermöglicht werden.   

 

-          Um dem wachsenden Anteil von Wind- und Sonnenstrom und somit dem stark schwankendem Aufkommen entsprechen zu können, muss der Errichtung von Speicherstrukturen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden.

 

-          Parallel zur steigenden Stromerzeugung aus Sonne und Wind muss die E-Mobilität mitwachsen, also die Energiewende im Verkehr fortschreiten, damit fossile Treibstoffe durch solar erzeugten Strom ersetzt werden können.

 

-          Der Tatsache, dass Strom die energetische Hauptsäule des Verkehrs werden wird, entspricht die elektrisch betriebene Bahn von allen Verkehrsträgern am besten. Sie kann den Strom mit geringfügigen Manipulationen direkt in Antriebskraft umsetzen, während das E-Auto mit größerem Aufwand bezüglich Energieumwandlungen verbunden ist und somit höhere Energieverluste (Wärme) anfallen. Energetisch und emissionsmäßig ist die elektrisch betriebene Bahn in Österreich beim Güterverkehr und beim Fernreiseverkehr auf Grund des hohen Anteils an Wasserkraftstrom dem Straßenverkehr und dem nationalen und kontinentalen Fugverkehr haushoch überlegen. Im Nah- und Regionalverkehr muss die Bahn noch Hausaufgaben erledigen: Elektrifizierung der Dieselstrecken, Leichtbauweise, Brems- und Heizenergierückgewinnung, Zweigleisiger Ausbau eingleisiger Strecken des hochrangigen Netzes (im Güterverkehr wird auf eingleisigen Bahnstrecken durch häufige Ausweichhalte viel Energie „vernichtet“, weil die riesigen Massen der Güterzüge jedes Mal neu beschleunigt werden müssen) usw. Der Umstieg vom PKW auf die Bahn fällt leichter als auf den Bus, denn Bahnen sind attraktiver für die Fahrgäste. Es ist Unfug, Bahnverkehre einzustellen und durch Busse zu ersetzen.

 

-          Die Energie- und Verkehrswende braucht den Druck durch Ökologisierung des Abgaben- und Gebührensystems.

Beispiele:

-    Flächendeckende LKW-Maut (Bemautung aller Straßen – wie in der Schweiz) und schrittweise Anhebung auf doppelte Höhe (wie in der Schweiz).

-    Einführung einer CO2-Abgabe, die über einen langen Zeitraum in kleinen Schritten angehoben werden soll (bei sozialem Ausgleich) und die fossilen Brenn- und Treibstoffe steigend belasten soll, denn dort ist der Rückgang des Verbrauches am dringendsten. Aber auch bei Strom ist eine solche Belastung erforderlich, damit es zu steigender Effizienz und Einsparung kommen kann (derzeit sollte vom Ökostromzuschlag diese Wirkung ausgehen). Mit dem Aufkommen aus der CO2-Abgabe muss ein Energiewende-Fonds gespeist werden, aus dem u. a. flächendeckende Energie- und Mobilitätsberatung finanziert werden muss (in jeder Gemeinde Beratungspersonal), um es den Haushalten (besonders den armen) zu ermöglichen, durch geringeren Energieverbrauch die steigende CO2-Abgabe zu kompensieren.

 

 

Dies alles wird bei der derzeitigen Energiewende-Praxis zu wenig ernst genommen. Das Fehlen eines Gesamtkonzeptes hat z. B. zur Folge, dass nur Wind- und Photovoltaikanlagen gebaut werden, ohne sich um entsprechende Speicheranlagen zu kümmern, die die Schwankungen bei Wind- und Solarstrom ausgleichen können (Deutschland produziert schon jetzt zum Teil mehr Windstrom, als überhaupt verbraucht, abtransportiert oder gespeichert werden kann). Der Rückgang des Gesamtenergieverbrauches und die Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien finden praktisch nicht statt. Die Fossil-Lobby lässt keine Gelegenheit ungenützt, um die Energiewende zu boykottieren. Auch die erneuerbaren Energien werden zu sehr den Lobbys dominiert.

 

Wir brauchen zur Überwindung der Energiewende-Kinderkrankheiten und zur Integration der bisher zu wenig beachteten Sektoren (z. B. Verkehr!) dringend ein Gesamtkonzept, in dem auch Erfahrungen aus der bisherigen Energiewende-Praxis berücksichtigt werden. 

 

Es ist vor allem Aufgabe der Energie- und Verkehrspolitik, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die ohne Verzögerung, ohne soziale Härten und bei einem hohen Maß an Freiwilligkeit und verkraftbaren wirtschaftlichen Einschnitten einen geordneten Umstieg auf erneuerbare Energien und auf Energie- und Verkehrseffizienz ermöglichen.

 

Die Frage kann nicht lauten: „Was soll es kosten?“ Oder: „Können wir uns das leisten?“ Sondern sie muss lauten: „Was brauchen unsere Kinder und Enkelkinder?“   

 

  

   

   

 

Langfassung:

 

Inhalt:

 

1)   Energieverbrauch halbieren und die Potenziale von allen erneuerbaren Energiequellen - ökologisch und sozial verträglich - nutzen

2)   Wind- und Solarstromoffensive muss mit Speicheroffensive

kombiniert werden

3)   Die elektrische Energie wird an Bedeutung gewinnen und für den

Verkehr die energetische Hauptsäule werden

4)   Ökologisierung des Abgabensystems - CO2-Abgabe

5)   Schwieriges Thema "Biotreibstoffe"

6)   Wärmeerzeugung - jeder Energieträger zu seiner Jahreszeit

 

 

 

1) Den Energieverbrauch halbieren und die Potenziale von allen erneuerbaren Energiequellen - ökologisch und sozial verträglich - nutzen:

 

Jedes Land hat bei den erneuerbaren Energien seine Stärken, die es im Rahmen einer Offensive in zunehmendem Ausmaße zu nutzen gilt.

 

Für den Zeithorizont bis 2050 kann nach Aussagen von Studien davon ausgegangen werden, dass es uns in Österreich (wie in der übrigen industrialisierten Welt) bei großen Anstrengungen gelingen kann, etwa die Hälfte des heutigen Gesamtenergieeinsatzes aus inländischen erneuerbaren Energiequellen aufzubringen, wenn wir eine Offensive bei den erneuerbaren Energien starten und durchhalten und wenn wir die Potenziale von allen erneuerbaren Energiequellen - ökologisch und sozial verträglich - nutzen.

 

Österreichs Bruttoenergieverbrauch liegt heute (2013) bei 1423 PJ:

Nicht erneuerbare Energiequellen: 1000 PJ

-          Fossile Energieträger (Erdöl und Erdölprodukte, Erdgas und Kohle): 947 PJ

-          Brennbare Abfälle nicht biogenen Ursprungs: 27 PJ

-          Saldo Stromimport/-export (mehr Import – hauptsächlich Fossilstrom und etwas Atomstrom): 26 PJ.

Erneuerbare Energiequellen: 423 PJ (244 PJ brennbare Stoffe, 151PJ Wasserkraftstrom, 15 PJ Wärme, 11 PJ Windstrom, 2 PJ Photovoltaikstrom).

 

Zu bedenken ist, dass uns eine nur-ökologische oder nur-ökonomische Sicht nicht weiterbringt. Ebenso zu hinterfragen wäre die Behauptung, diese oder jene Energiequelle (z. B. Windenergie-Nutzung) brauchten wir nicht. Im Rahmen eines optimierten Gesamtsystems müssen wir trachten, von allen erneuerbaren Energiequellen zu ernten:

 

-          Auch wenn damit Eingriffe in die Landschaft verbunden sind und z. T. kein ökologisches Optimum erreicht wird (z. B. Wälder als Energie- und Rohstofflieferanten mäßig-intensiv bewirtschaften statt sie als Urwälder sich selbst zu überlassen).

-          Auch wenn bei der Nutzung bestimmter Energiequellen nicht bzw. noch nicht Techniken angewandt werden können, die höchsten Wirtschaftlichkeits-Ansprüchen entsprechen.

-          Absolute Ablehnung der Nutzung einer erneuerbaren Energiequelle bringt nichts.

 

 

Abbildung 1: Halbieren!  

 

Berechnungen/Annahmen für 2050 und Graphik: Verein Klimaschutz-Initiative

 

 

Aber aus erneuerbaren Energiequellen kann nur – wie oben dargestellt – die Hälfte des heutigen Gesamtenergiebedarfs aufgebracht werden. Das bedeutet, dass wir den Energiebedarf auf die Hälfte reduzieren müssen. Ohne Halbierung unseres Energieverbrauches ist also der Umstieg von den endlichen und umwelt- und klimaschädlichen fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien nicht möglich. Somit muss die Errichtung von Anlagen zur Ernte von erneuerbaren Energien immer von einem Rückgang beim Einsatz fossiler Energieträger begleitet sein.

 

Diese Reduktion bei den fossilen Energieträgern muss im Zeitraum von heute bis 2050 sogar rascher vor sich gehen als der Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen.

-          Reduktion bei den nicht erneuerbaren Energien von 1000 PJ gegen null

-          Zunahme bei den erneuerbaren Energien von 423 PJ auf 650 bis 700 PJ

 

Somit muss der Verbrauch fossiler Energieträger mindestens dreimal so rasch reduziert werden wie der Ausbau der erneuerbaren Energien. Diese Tatsache wird heute viel zu wenig beachtet.

 

Die Halbierung des Energieverbrauches müssen wir durch Steigerung der Energie- und Verkehrseffizienz und durch Energie- und Verkehrssparen schaffen.

 

Gleichzeitig müssen wir darauf achten, die gesamtösterreichische Nachfrage nach Dienstleistungen bei Energie und im motorisierten Verkehr zu stabilisieren, damit die Fortschritte bei der Effizienz und beim Sparen nicht durch steigende Nachfrage nach Energie- und Verkehrsdienstleistungen „aufgefressen“ werden, sondern auch tatsächlich Energieverbrauch-senkend wirksam werden können.

 

Dabei muss für Wohlstands-Nachzügler noch Platz zum Aufholen bleiben. Das heißt, die Luxus-Liebhaber müssen etwas herunter steigen, um diesen Nachzüglern Platz zu machen.

 

 

Die oben genannten Studien sagen auch, dass die Halbierung unseres Energieverbrauches ohne Verlust an Lebensqualität möglich ist, indem wir in zunehmendem Maße die Energieeffizienz-Potenziale nutzen und energiebewusster leben, einkaufen und konsumieren. Das heißt, es werden auch Verhaltensänderungen nötig sein.

 

Dies betrifft vor allem die Mobilität, wo einerseits durch technische und organisatorische Maßnahmen die Effizienz gesteigert werden muss, andererseits die Verhaltensänderungen von enormer Bedeutung sind:

-          Kaufverhalten (welches Auto kaufe ich)

-          Nutzungsverhalten beim PKW

-          Vermeidung motorisierter Fortbewegung (Gehen, Radfahren, besseres Managen der privaten Mobilität)

-          Umstieg auf Öffis

 

Aufgabe der Verkehrspolitik ist es, Voraussetzungen für die Verkehrswende zu schaffen:

-          Vermeidung von Zwangsmobilität durch Erhaltung/Wiederherstellung der Wirtschafts- und Kulturfähigkeit des ländlichen Raumes.

-          Änderungen bei der Raumplanung und Raumordnung.

-          Flächendeckendes Angebot im öffentlichen Verkehr (ÖV).

-          Verkehrsverlagerung zur Schiene spielt dabei eine wichtige Rolle (Statt weitere Autobahnen und Schnellstraßen zu bauen, muss durch eine österreichweite Bahn-Offensive für die nötige Kapazität und Attraktivität auf der Schiene gesorgt werden).

-          Umwelt- und klimafreundliche Rahmenbedingungen (Anreize für den Kauf von Spar- bzw. E-Autos, schrittweise Steigerung der Spreizung bei der NoVA und der Kfz-Steuer, CO2-Abgabe – siehe unten, LKW-Maut nach Schweizer Vorbild: schrittweise Anhebung auf fast doppelte Höhe und Bemautung des gesamten Straßennetzes …).

 

 

Wir brauchen eigentlich nicht Energie, sondern Energie- und Verkehrs-Dienstleistungen:

-   Behaglichkeit in Gebäuden und Fahrzeugen.

-   Küche: Kühlen/Gefrieren/Zerkleinern/Kneten/Kochen/Backen/Braten usw. von Lebensmitteln und Spülen von Geschirr.

-   Körperpflege, Bekleidung: Baden/Brausen/Waschen/Bügeln usw.

-   Helligkeit in Räumen und auf Verkehrswegen.

-   Produktion: Gewinnung/Bearbeitung von Rohstoffen und Werkstoffen, Produktion von Gütern, Leistung von Diensten.

-   Motorisierte Mobilität: Überwindung von Distanzen (Personen/Güter), in der Regel in möglichst kurzer Zeit und bei Personenfahrzeugen zusätzlich mit bestimmtem Komfort.

 

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass es möglich ist, den Umfang der heutigen gesamtösterreichischen Energie- und Verkehrs-Dienstleistungen mit halbem Energieaufwand zu halten. Also: Heutiger Wohlstand mit halbem Energieverbrauch.

 

 

 

Kritikpunkte an der derzeitigen Energiewende-Praxis:

 

Die Reduktion des Energieverbrauches ist leider kein Thema. Bei der Substitution fossiler Energieträger durch Energie aus erneuerbaren Quellen geht nichts weiter, denn sonst würde ja der Einsatz fossiler Energien zurückgehen (er ging zwar zurück, aber nicht wegen der Energiewende- und Klimapolitik, sondern wegen der Wirtschaftskrise).

 

Deshalb ist der Widerstand gegen Wasser- und Windkraftanlagen verständlich. Denn die derzeitige Energiepolitik unternimmt praktisch nichts, um zu einer Reduktion des Energieeinsatzes – vor allem im fossilen Sektor – zu kommen. Der Vorwurf, mit Wasserkraft- und Windenergieanlagen zerstören Investoren Landschaft und Natur, ohne dass der Energiewende gedient ist, ist in hohem Maße berechtigt.

 

Eine einheitliche Energiepolitik gibt es nach Ansicht von Fachleuten in Österreich nicht. Sie ist hier ein Flickwerk von Einzelinteressen. Sie wird so zum Spielball der Tagespolitik und von Lobbys.

 

Es herrscht bei den meisten österreichischen Entscheidungsträgern die Mentalität: „Wir sind bezüglich erneuerbare Energiequellen ohnehin ein Vorzeigeland, denn zwei Drittel des Stroms beziehen wir von heimischer Wasserkraft. Wir sorgen durch Förderungen für ein bisschen zusätzliche erneuerbare Energien und machen ansonsten so weiter wie bisher." Kein Konzept, sondern Lobbys bestimmen die Richtung! Entsetzliche Unwissenheit bei politischen Entscheidungsträgern! „Vielleicht brauchen wir die Atomenergie doch noch!“, denken manche. In Österreich sagt man so etwas nicht laut. Das offizielle Österreich ist gegen Atomenergie. Das ist gut so!

 

Aber genügt es, gegen Atomkraftwerke zu kämpfen?

 

Österreichs Vorbildrolle bezüglich Energiepolitik ist im Zerrinnen begriffen. Österreich genierte sich nicht, wegen der Nichterfüllung des Kyoto-Vertrags Geldstrafe auf sich zu nehmen. Österreich kritisiert die Atompolitik von Nachbarn, praktiziert aber selber eine Schein-Energiewende, die nicht auf ein Gesamtkonzept aufbaut (wesentliche Kennzeichen: Ganzheitlichkeit, Reduktion des Energieeinsatzes durch Energieeffizienz und Energiesparverhalten, Kooperation), sondern es stehen die unmittelbare Wirtschaftlichkeit von Teilbereichen, das Agieren von Lobbys und der Markt im Vordergrund.

 

Dass eine Reduktion des Einsatzes fossiler Brenn- und Treibstoffe nicht auf freiwilliger Basis stattfinden wird, müsste doch klar sein. Energiesparen und Investitionen in die Energieeffizienz werden nur dann interessant, wenn fossile Energien und Strom durch eine in kleinen Schritten steigende CO2-Abgabe belastet werden. Mit dem Aufkommen müsste ein Fonds gespeist werden, aus dem flächendeckende, unabhängige Energie- und Mobilitätsberatung (in jeder Gemeinde Beratungspersonal) zu finanzieren wäre. Durch diese Beratung würden Privathaushalte (vor allem arme) und Betriebe befähigt, die steigende CO2-Abgabe durch geringeren Energieeinsatz zu kompensieren. Ein Teil des Aufkommens müsste für die Senkung der Arbeitskosten und für den Ausbau des ÖV verwendet werden.

 

Eine Art der schrittweise steigenden Belastung von Strom findet bereits im Rahmen des Ökostromgesetzes in Form des Ökostromzuschlags statt. Dass das Ökostromgesetz auch als Stromspargesetz zu verstehen ist, wurde der Bevölkerung nicht erklärt (den Zuschlag durch geringeren Stromverbrauch ausgleichen). Daher wird es bloß als Belastung, ja als Schikane empfunden.  

 

Leider ignorieren die meisten Politiker und Interessensvertreter die Tatsache, dass Spardruck notwendig wäre. Es ist für sie nicht opportun, über eine CO2-Abgabe zu sprechen, obwohl man diese Abgabe in gewisser Weise aufkommensneutral gestalten könnte.

 

 

Details zur CO2-Abgabe unter Punkt 4 

 

Schwer zu verstehen ist der Widerstand der Wirtschaft gegen verpflichtende Energieeffizienz. Den Unternehmern müsste doch einleuchten, dass sich die Effizienz-Investitionen innerhalb kurzer Zeit amortisieren. Zweitens bedeutet Energieeffizienz, dass genau für diese Energieeffizienz eine Unzahl von Produkten erzeugt und jede Menge Dienste geleistet werden muss, also die Wirtschaft in einem wichtigen Bereich belebt wird.

 

Näheres dazu hier

 

Was jetzt kommen muss, ist die Ökologisierung unseres Wirtschaftssystems. Mitten in der Krise ist das zwar kaum vorstellbar, aber in Deutschland hat der Sektor der Umwelttechnologie mittlerweile den traditionell starken Maschinenbau überholt.

 

 

2) Wind- und Solarstromoffensive muss mit Speicheroffensive kombiniert werden:

 

Solar- und Windanlagen erzeugen Strom in enorm großer Schwankungsbreite. Einmal liefern sie Strom in Überfluss, aber bei Windstille und in der Nacht überhaupt keinen Strom. Deshalb müssen Speicherkapazitäten es ermöglichen, diese Schwankungen zu glätten bzw. ein Stromangebot zu ermöglichen, das der Nachfrage entspricht.

 

Mit dem Wachstum der Wind- und Solarstrombranche muss daher das Wachstum der Speicherkapazitäten mithalten. Sonst kommt es dazu, dass Ausgleichsstrom von

Atom- und Fossilkraftwerken die Lücken bei Solar- und Windstrom überbrücken muss. Andererseits wird beim häufig vorkommenden Windstromüberschuss aus Norddeutschland der Überschuss an den Strombörsen zeitweise verschenkt, oder es werden Stromhändler sogar dafür belohnt, dass sie Strom abnehmen.

 

Dass der Strommarkt deshalb verrückt spielt, hat zur Folge,

-          dass die Fossilkraftwerke, die für Ausgleichsstrom bereitstehen, zu wenige Stunden in Betrieb sind und daher unwirtschaftlich sind;

-          dass neu errichtete Gaskraftwerke wegen hoher Kosten überhaupt nicht in Betrieb genommen werden;

-          dass in Österreich bereits bewilligte Pumpspeicherwerke wegen mangelnder Rentabilität nicht gebaut werden;

-          dass österreichische Wasserkraftwerke zeitweise Wasser ungenutzt durchfließen lassen.

 

Dass Wind- und Solarstrom Vorrang hat bei der Einspeisung, ist in Ordnung, denn so kann die stark variierend anfallende Wind- und Sonnenergie voll genutzt werden. Aber damit entsteht zugleich das Problem, dass dieses neue physikalische System nicht mehr zum üblichen kaufmännischen System passt.

 

Neues physikalisches System:

Die Stromgewinnung aus Wind und Sonne ist nur bedingt voraussehbar. Das Windangebot kann nur kurzfristig vorausgesagt werden. Von den Ergänzungseffekten zwischen Wind- und Sonnenstrom (Sonne mehr im Sommer, Wind mehr im Winter) gibt es zeitweise deutliche Abweichungen. Und dass das Sonnenstromangebot dem Verlauf der Tageskurve beim Stromverbrauch entspricht, stimmt auch nicht immer.

 

Altes kaufmännisches System:

Es ist im Sinne des freien Strommarktes üblich, dass die Stromhändler den Strom an der Börse im Voraus einkaufen, um preisliche Begünstigungen nützen zu können. So kann es vorkommen, dass sehr preiswerter Windstrom im Voraus gekauft wird, aber dann der Wind ausbleibt und der Verkäufer zur Erfüllung des Vertrages gezwungen ist, den Strom von einer anderen Quelle aufzutreiben, vielleicht sogar von Fossil- oder Atomkraftwerken.

 

„Neuer Wein passt nicht in alte Schläuche“ (Neues Testament, Matthäus 9. Kapitel, Vers 17). Erneuerbare Energie kann man nicht im Voraus einkaufen. Und die Errichtung von Speicherstrukturen kann nicht nur von Rentabilitätsgesichtspunkten abhängig gemacht werden. Der Aufbau von Speicherstrukturen muss Teil des gesamten geförderten Energiewende-Konzeptes sein. Daher muss das alte kaufmännische System dem neuen physikalischen System angepasst werden.   

 

 

Bei der Lösung des Speicherproblems gibt es grundsätzlich zwei Strukturansätze:

-     Die einen Experten legen das Schwergewicht auf die Errichtung gigantischer Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen („grüne Batterien“) und treten dafür ein, dass Windstrom vorwiegend im Norden und Sonnenstrom im Süden erzeugt werden soll. Für die Stromtransporte sollen  Höchstspannungsleitungen zu den alpinen Pumpspeichern und kreuz und quer durch Europa errichtet werden.

-     Andere Experten sehen die Zukunft eher darin, dass viele kleinere, dezentrale Speicheranlagen betrieben werden (z. B. Pumpspeicherkraftwerke im Hügelland und im Mittelgebirge). Pumpspeicherseen könnten auch als Hochwasser-Rückhaltebecken fungieren.

-          Beide Strukturen sind wichtig: Im Sinne der Stromversorgungssicherheit muss es parallel zu Höchstspannungsleitungen und als Ausgleich zu den Windkraft-Ballungsräumen (wie z. B. auch im Nordburgenland) großflächig verstreute Wind- und vor allem Photovoltaikanlagen geben, ergänzt durch dezentrale Speicheranlagen. Auf Basis dieser Dezentralität kann verhindert werden, dass es durch Unterbrechung einer Höchstspannungsleitung zum Zusammenbruch der Stromversorgung kommt.

 

Andere Speicherarten:

-          Künftige Tankstellen als Batterieladen-Aufladezentren (siehe unten).

-          Die Gesamtheit der Elektroautos mit ihren Batterien als dezentrale Speicherstruktur.

-          Produktion von Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser und Erzeugung von solaren Brenn- und Treibstoffen durch Synthetisierung von Wasserstoff mit dem Kohlenstoff von CO2 etc.) – Speicherung der gasförmigen und flüssigen solaren Brenn- und Treibstoffe.

-          Schwungradspeicherung, Pressluftspeicherung…

 

Speicherforschung ist sehr wichtig.

 

Hochwasser-Rückhaltebecken in den Tälern von Bächen und kleinen Flüssen dienen nicht nur dem Hochwasserschutz entlang großer Flüsse (die Hochwasser dort „abfangen“, wo sie entstehen), sondern auch als Speicher, aus denen nach Abklingen des Hochwassers die Flüsse gespeist werden können.

 

 

Abbildung 2: Erzeugung von solaren Brenn- und Treibstoffen

Quelle: Reinhold Priewasser, „SolarFuels“, in: Tagungsband Oberösterreichischer Umweltkongress 2010, „Klimawende Jetzt! Schluss mit der Leugnung des Klimawandels!“

 

 

Die Kommunen sollten sich bemühen, in den Energiesektor zu investieren und sich dauerhaft Einnahmen durch den Energieverkauf zu verschaffen.

 

Wie eine Gemeinde die Chance nutzt, Strom zu verkaufen, zeigt dieses Beispiel

 

Klar muss sein, dass jetzt die Politik am Zug ist und auf der Basis eines Energiewende-Gesamtkonzeptes rasch die Errichtung von Speicherkapazitäten vorantreiben muss.

 

Dieses Gesamtkonzept zu erstellen ist höchst dringlich. Die Manager der EVUs sind zur Erfüllung dieses Gesamtkonzeptes zu verpflichten, wobei sich Erfolg bzw. Nichterfolg auf ihre Gehälter und Boni auswirken muss.

 

Die Energiewende ist ohne Halbierung des Gesamtenergieeinsatzes nicht vorstellbar. Und sie braucht Rechtssicherheit und langfristige Verlässlichkeit, also die Gewissheit, dass erneuerbare Energien und Energieeffizienz dauerhaft nachgefragt werden. Dazu ist – wie oben bereits betont wurde – die steigende Belastung fossiler Brenn- und Treibstoffe und von Strom mit einer CO2-Abgabe unabdingbar (siehe Punkt 4).

 

Übrigens: Bei der Förderung von Solaranlagen wäre eine soziale Staffelung sinnvoll. Die derzeitige Förderpraxis schließt jene aus, die das Geld für die nötigen Investitionen nicht verfügbar haben.

  

 

Kritikpunkte an der derzeitigen Energiewende-Praxis:

 

Hier wirkt sich das Fehlen eines langfristigen Gesamtkonzeptes und einer ganzheitlichen Energiepolitik verheerend aus. Der Markt wird nicht dafür sorgen, dass rasch Speicherkapazitäten geschaffen werden.

 

Lukrativ ist es derzeit nur – für jene, die in den Genuss der Förderung kommen – , Photovoltaik- und Windanlagen zu errichten, was ja zu begrüßen ist. Aber Wirtschaftsminister Mitterlehner (auch für den Energiesektor zuständig) und E-Control-Chef Boltz haben es verabsäumt, vehement dafür einzutreten, dass im entsprechenden Tempo auch Speicherstrukturen errichtet werden bzw. die Förderungen für Wind- und Solarstrom an die Schaffung von Speicherkapazitäten gekoppelt werden (Beispiel: Wer eine Wind- bzw. Solaranlage mit einer bestimmten Leistung baut, muss sich zugleich im Ausmaß dieser Leistung an der Finanzierung einer Speicheranlage beteiligen).

 

Bundeskanzler Faymann schenkte der Energiewende zu wenig Beachtung. Er hätte sich mit jener Entschiedenheit, mit der er gegen eine mögliche EU-Förderung für Atomenergie auftritt, auch für ein langfristiges Energiewende-Gesamtkonzept einsetzen müssen. Faymann, Mitterlehner und Boltz vertrauten auf den Markt. Die Folge ist, dass nun sogar bereits bewilligte Pumpspeicheranlagen nicht gebaut werden.

 

Die Politik überließ den Energiesektor den Strombörsen, dem Gewinnstreben von Investoren, dem Taktieren bzw. der Potenz der Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) und den fragwürdigen Regelungen bei der Strombestellung und beim Stromhandel der EVUs. Sie gab seinerzeit dem Verlangen der Industrie und der EVUs nach möglichst vielen Gratis-Emissionszertifikaten nach, sodass diese Zertifikate zur Zeit um einen Spottpreis gehandelt werden und es sich sogar rentiert, Kohlekraftwerke zu betreiben und Wasser über die Wehranlagen der Wasserkraftwerke ungenützt strömen zu lassen, weil Strom an der Börse so billig ist.

 

Näheres zum Handel mit Emissionszertifikaten hier

 

Resultat: Chaos im Stromsektor.Aber gerade jene, die dieses Chaos zu verantworten haben, geben jetzt der Energiewende mit ihren (vor allem in Deutschland hohen) Förderungen für Wind- und Solarstrom die Schuld.

 

Allerdings ist nicht die Förderung von Solar- und Windstrom die Ursache für dieses Chaos, sondern das Fehlen eines Gesamtkonzeptes, das zum Mangel bei Speicherstrukturen geführt hat. Nur mit ausreichenden Speicherkapazitäten ist es möglich, die Schwankungen bei Wind- und Solarstrom auszugleichen und nicht auf Ausgleichsstrom von Gaskraftwerken (oder gar von Kohle- und Atomkraftwerken) angewiesen zu sein. Wichtiger Teil dieses Konzeptes müsste auch die Umstellung des Verkehrs auf E-Mobilität sein, denn im Verkehr muss die Substitution fossiler Treibstoffe durch Strom wesentlich zügiger fortschreiten. Zudem ist notwendig, dass die in kleinen Schritten steigende Belastung fossiler Brenn- und Treibstoffe durch eine CO2-Abgabe Teil dieses Konzeptes ist. Mit ihr muss der nötige Umstellungs- und Spardruck erzeugt werden, denn wichtigstes Ziel eines solchen Konzeptes muss der Rückgang des Gesamtenergieverbrauches sein! Im fossilen Bereich starker Rückgang!

 

Zu überlegen ist, ob es nicht sinnvoll wäre, mit dem Aufkommen aus dem Ökostromzuschlag nicht nur die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zu fördern, sondern auch die Erweiterung der Speicherkapazitäten und die E-Mobilität.

 

In Deutschland  wurde außerdem verabsäumt, rechtzeitig die Infrastruktur zu schaffen, um das Windstrom-Überangebot im Norden in südliche Richtungen verteilen zu können.

 

 

 

3) Die elektrische Energie wird an Bedeutung gewinnen und für den Verkehr die energetische Hauptsäule werden:

 

Mit der völlig neuen Situation zurechtzukommen, bei den brennbaren Energieträgern von der heute gewohnten enormen Energiemenge (1218 PJ; 974 PJ fossil, 244 PJ biogen; Werte von 2013) „heruntersteigen“ zu müssen und sich mit biogenen Brennstoffen (Holz, Stroh, Biogas, Bioöl…) begnügen zu müssen, wird nicht leicht sein. Denn bei diesen biogenen Brennstoffen ist nur eine Expansion auf etwa 275 PJ vorstellbar bzw. verantwortbar.

 

Diese kleine Brennstoffmenge wird hauptsächlich dem Wärmesektor (Heizen und Prozesswärme) zur Verfügung stehen müssen. Für den Verkehr (der ja heute fast ausschließlich mit den brennbaren Energieträgern Diesel, Benzin und Kerosin betrieben wird), wird nicht allzu viel übrig bleiben. Auf diese neue Situation müssen wir unser Denken erst einstellen.

 

Bei Primärstrom schlummert hingegen Gott sei Dank Potenzial. Bei der Wasserkraft (2013: 151 PJ) ist allein von der Effizienzsteigerung der bestehenden Kraftwerke ein deutliches Mehr an Energie möglich. Dazu kommen die Möglichkeiten des Ausbaus der Windkraft (2013: 11 PJ) und noch viel mehr des Ausbaus der Photovoltaik (2013: 2 PJ). Zusammen wären daraus bis 2050 aus heutiger Sicht etwa 275 PJ vorstellbar.

 

In der kalten Jahreshälfte wird Strom von Heizkraftwerken, die mit biogenen Energieträgern betrieben werden, dazukommen.

 

Abgesehen davon, dass auch der Verkehr im Energiekontext gesehen werden muss und daher die Halbierung des Energieverbrauches ein Anliegen wird, hat die Änderung des Energie-Mixes in Richtung Strom zur Folge, dass für den Verkehr die elektrische Energie als Primärenergie die energetische Hauptsäule werden wird, während Biotreibstoffe nur eine untergeordnete Rolle spielen werden.

 

Generell muss der Reduktion des Energieverbrauches wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als dies derzeit der Fall ist – vor allem im Sektor der fossilen Energien. Das heißt weiters, dass im Verkehrssektor der Sparstift anzusetzen ist. Die Fortschritte bei der Energieeffizienz der Motorfahrzeuge müssen sich in Reduktion des Energieverbrauches niederschlagen. Massive Verkehrsverlagerung zum ÖV und zur Schiene ist notwendig, ebenso Gehen und Radfahren statt Autonutzung.

 

Es ist unmöglich, die 380 PJ, die heute der Verkehr an fossilen Treibstoffen verbraucht (einschließlich 100 PJ Tanktourismus), durch Strom zu ersetzen und ansonsten so weiterzumachen wie bisher. Das Sparauto und generell sparsame Fahrzeuge sind die Zukunft.

 

Um den Verkehr im Stromsektor „unterbringen“ zu können, muss – trotz Expansionsmöglichkeit bei Strom aus erneuerbaren Energiequellen – auch in den herkömmlichen Strom-Domänen (Haushalte, Produktion, Dienstleistungen) sparsamer mit Strom umgegangen werden als heute. Stromsparen ist angesagt!

 

 

Hier liegt auch das große Plus der elektrisch betriebenen Bahn begründet (und der Obusse). Sie kann den Strom mit geringfügigen Manipulationen direkt in Kraft umsetzen, während das E-Auto mit größerem Aufwand bezüglich Energieumwandlungen verbunden ist und somit höhere Energieverluste (Wärme) anfallen. Energetisch und emissionsmäßig ist die elektrisch betriebene Bahn in Österreich beim Güterverkehr und beim Fernreiseverkehr auf Grund des hohen Anteils an Wasserkraftstrom dem Straßenverkehr und dem nationalen und kontinentalen Fugverkehr haushoch überlegen.

Im Nah- und Regionalverkehr muss die Bahn noch Hausaufgaben erledigen: Elektrifizierung der Dieselstrecken, Leichtbauweise, Brems- und Heizenergierückgewinnung usw.

Für den Güterverkehr ist es notwendig, eingleisige Strecken des hochrangigen Netzes (z. B. die Pyhrnbahn) zweigleisig auszubauen, denn auf eingleisigen Bahnstrecken wird durch häufige Ausweichhalte viel Energie „vernichtet“, weil die riesigen Massen der Güterzüge jedes Mal neu beschleunigt werden müssen.

 

Es ist Unfug, Bahnverkehre einzustellen und durch Busse zu ersetzen. Denn der Umstieg vom PKW auf die Bahn fällt leichter als auf den Bus, denn Bahnen sind attraktiver für die Fahrgäste. 

 

Parallel zur steigenden Stromerzeugung aus Wasserkraft, Sonne und Wind muss die E-Mobilität mitwachsen. 

 

 

 

Die Bahn - ein Energie- und Verkehrswendesystem, ein unverzichtbares Element beim Klimaschutz.

Lärmschutzwände sind allerdings ein Problem. Mehr dazu hier 

 

 

 

Die Gefahr, dass die Zahl der E-Fahrzeuge rascher wächst als die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, besteht derzeit nicht. Grundsätzlich sollten E-Mobile mit Strom von erneuerbaren Energiequellen betrieben werden.

 

Da das "Auftanken" von E-Mobilen nie in akzeptabler, also in kurzer Zeit möglich sein wird, entwickelten Techniker eine neue, ganz einfache Methode, nämlich die Batterien in genormten "Laden" verschiedener Größen zu verpacken. Beim "Tanken" tauscht ein Roboter die "leere" Lade gegen eine Lade mit aufgeladenen Batterien. Tankstellen sind in diesem Szenario Batterieladen-Aufladezentren.

 

 

Näheres dazu hier

 

Von der EU-Kommission müsste das Signal ausgehen, dass die Entwicklung in diese Richtung zu gehen hat. Sie müsste für die entsprechenden Normungen sorgen. Für die Markteinführung ist wichtig, dass das „Auftanken“ des Elektroautos in kürzester Zeit möglich ist und daher dieses Auto auch für Langstreckenfahrten taugt.  

 

 

 

Kritikpunkte an der derzeitigen Energiewende-Praxis:

 

Ohne Förderungen werden sich Elektroautos nicht durchsetzen.

Ein durchaus überlegenswerter Vorschlag lautet, dass die Förderung durch Belastung von Benzin- und Dieselfahrzeugen mit einer erhöhten NoVA und Kfz-Steuer (mit wesentlich stärkerer Spreizung als derzeit) finanziert werden könnte.

 

Ein großes Problem ist auch, dass die Bedeutung der Bahn nicht erkannt wird. Dass die elektrisch betriebene Bahn auf der Basis österreichischen Wasserkraftstroms ein Energieeffizienz-System ist, findet leider kaum Beachtung.

 

Folgende wichtige Anliegen spielen in Österreichs Politik leider nur eine untergeordnete Rolle:

-          Vermeidung von Zwangsmobilität durch Erhaltung/Wiederherstellung der Wirtschafts- und Kulturfähigkeit des ländlichen Raumes.

-          Änderungen bei der Raumplanung und Raumordnung.

-          Flächendeckendes Angebot im öffentlichen Verkehr:

-    Durchgehender Stundentakt als zeitliche Mindeststruktur.

-    Erhaltung der Bahnen auch in ländlich-peripheren Regionen als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs (Gerechtigkeit, regionaler und sozialer Ausgleich, Gemeinwohl, Daseinsvorsorge), Busse in der Regel als Zubringer (In dünn besiedelten Gebieten außerhalb der Hauptverkehrszeiten Anrufsysteme als Ersatz für Zubringer-Linienbusse).

-          Bahn-Offensive in ganz Österreich: Statt weitere Autobahnen und Schnellstraßen zu bauen, muss durch eine österreichweite Bahn-Offensive für die nötige Kapazität und Attraktivität auf der Schiene gesorgt werden (die Landeshauptstädte nicht nur mit Wien attraktiv verbinden, sondern auch untereinander).

-          Verkehrsverlagerung zur Schiene: Stärker lenkende LKW-Maut als ökologisches Gegengewicht zum wachsenden „freien Warenverkehr“ auf Europas Straßen: Nach Schweizer Vorbild LKW-Maut auf allen Straßen, schrittweise Anhebung auf Schweizer Höhe und Querfinanzierung des Bahnausbaus wie in der Schweiz. In diesem Sinne sollte sich Österreich in der EU stärker einbringen.

  

 

4) Ökologisierung des Abgabensystems – CO2-Abgabe

 

Eine kontinuierlich fortschreitende Energie- und Verkehrswende ist nur möglich, wenn – neben Information, Motivation und Anreizen – auch der Umstellungsdruck durch Ökologisierung des Abgabensystems langsam steigt.

 

Nur wenn Klimagase politisch verteuert werden, kann der Markt im Sinne der Energie- und Verkehrswende reagieren.

 

Vorschlag:

 

Fossile Energieträger (und Atomstrom) über einen längeren Zeitraum durch eine in kleinen Schritten steigende CO2-Abgabe belasten.

 

Mit dieser Abgabe einen Fonds speisen und das Aufkommen verwenden  

-          für flächendeckende, unabhängige Gratis-Energie- und -Mobilitätsberatung

-    steigende CO2-Abgabe durch geringeren Energieverbrauch kompensieren

-    auch in kleinen Gemeinden mindestens je eine kompetente Beratungsperson

-          zur Senkung der Lohnnebenkosten

-          für sozialen Ausgleich

-          So kommt es auf indirektem Wege zu Aufkommensneutralität

-          Gesamte EU oder EU-Pionierstaaten als Vorreiter

 

Die Ökologisierung des Abgabensystems steht schon lange zur Diskussion, wird von Experten schon lange empfohlen und von NGO’s gefordert.

 

4.1 Die Energie- und Verkehrswende muss der Bevölkerung erklärt und begründet werden:

 

Die fossilen Energieträger sind nicht nur wegen der Klimaerwärmung ein Problem, sondern auch wegen der Energie-Auslandsabhängigkeit, wegen der Abhängigkeit von instabilen Regionen, der hohen Importkosten, der drohenden Verknappung und wegen ökologischer Gefahren bei Förderung und Transport.

 

Durch aktive Beratung und intensiven Dialog mit der Bevölkerung muss die Energie- und Verkehrswende zu den Haushalten (vor allem zu den armen) und zu den Betrieben „gebracht“ werden, damit diese umso mehr in der Lage sind, die steigende CO2-Abgabe durch geringeren Energieverbrauch zu kompensieren.

 

Durch die Anwesenheit von Beraterinnen und Beratern muss in jeder Gemeinde die ständige Aufforderung präsent sein, im Sinne der Energie- und Verkehrswende aktiv zu werden und die steigende Abgabe durch geringeren Energieverbrauch auszugleichen.

 

So wird das alte Energiedenken durch neues ersetzt:

-          Altes Denken: Stabilisierung der Energiekosten durch Kampf gegen steigende Energiepreise.

-          Neues Denken: Stabilisierung der Energiekosten trotz steigender CO2-Abgabe durch mehr Energieeffizienz, also durch geringeren Energieeinsatz.

 

Die CO2-Abgabe ist mit dem Ökostromzuschlag vergleichbar. Es wurde allerdings verabsäumt, der Bevölkerung zu erklären, dass das Ökostromgesetz auch als Stromspargesetz zu verstehen ist und daher vom Ökostromzuschlag eine stromverbrauchs-senkende Wirkung ausgehen müsste. Den steigenden Ökostromzuschlag durch geringeren Stromverbrauch zu kompensieren müsste das Ziel sein.

 

4.2 Rückgang beim Verbrauch fossiler Energien und Offensive bei erneuerbaren Energieträgern notwendig:

 

Die CO2-Abgabe bewirkt eine rege Nachfrage nach solarem Primärstrom und abgeleiteten Produkten, wie z. B. Kohlenwasserstoffen auf der Basis von solar erzeugtem Wasserstoff.

 

Die derzeitige Energiewende-Politik baut in erster Linie auf Förderungen auf. Ohne Druck verschlingen aber Förderungen bloß viel Geld, ohne den nötigen Rückgang des Verbrauchs fossiler Energieträger zu bewirken. Erneuerbare Energie wäre zum Teil bloß Additivenergie, der nötige substitive Prozess bliebe aus.

 

 

4.3 Halbierung des Gesamtenergieverbrauches notwendig:

  

Dieser Rückgang ist notwendig, weil aus heutiger Sicht aus erneuerbaren Energiequellen nur etwa die Hälfte unseres heutigen Energieverbrauchs aufgebracht werden kann. Dies wird durch Studien belegt:

 

1) Wolfgang Streicher u. a., Studie „Energieautarkie für Österreich 2050“, Innsbruck 2010 (in Auftrag gegeben vom Umweltministerium):

http://www.lebensministerium.at/suchergebnisse.html?queryString=Wolfgang+Streicher+Energieautarkie+f%C3%BCr+%C3%96sterreich+2050&Suche=Suche

 

2) Institut für Höhere Studien, 29. April 2011 (in Auftrag gegeben von Greenpeace, EVN und Gewerkschaft vida); abgelesene Werte von Diagramm auf Seite 3, Abb. B.

http://www.greenpeace.org/austria/de/multimedia/Publikationen/dokumente/energy-revolution/

 

3) Unser Verein „Klimaschutz-Initiative“ www.ks-i.org – Konzept – Umstieg auf erneuerbare Energiequellen als einziger Ausweg.

 

4) Reinhold Christian u. a., „Energie der Zukunft. Energieautarkie für Österreich?“, St. Pölten 2011, hgg. von Umwelt Management Austria (www.uma.or.at); gerundete Werte.

 

Daher ist es wichtig, dass in die kommende „Energiestrategie Österreich 2030“, die demnächst Diskussionsthema sein wird, die CO2-Abgabe, wie sie oben dargestellt wurde, aufgenommen wird und die Stabilisierung der gesamtstaatlichen Nachfrage nach Energiedienstleistungen und Dienstleistungen im motorisierten Verkehr als Ziel festgeschrieben wird. Nur dadurch kann es gelingen, dass die steigende Energie- und Verkehrseffizienz zu einem Rückgang beim Energieeinsatz führt und nicht durch steigende Nachfrage bei den energetischen Dienstleistungen „aufgefressen“ wird (stärker motorisierte Autos, mehr gefahrene Jahrskilometer pro Kfz., größere beheizte Räume und höhere Raumtemperatur…).

 

    Energie-Umwandlungskette:

Primärenergie = Energieträger, wie er uns in der Natur zur Verfügung steht (Erdöl, Kohle, Erdgas, Holzstämme und -äste, Wasserkraft, Windkraft, Energie von Solaranlagen…

Endenergie = Energie, wie sie dem Konsumenten zur Verfügung steht (Heizöl, Treibstoff, Holzpellets, Strom von der Steckdose …

Nutzenergie = Energie, die vom Heizkörper abgegeben wird, von den Antriebsrädern eines Kfz´s auf dieStraße übertragen wird …

Energiedienstleistung (Beispiele) =

= behagliche, helle Räume

= Fahrten von A nach B mit bestimmtem Komfort und in bestimmter Zeit

= Bearbeitung von Materialien/Gegenständen

= Bereitung/Aufbewahrung von Lebensmitteln

= Sauberkeit von Wäsche, Geschirr und Wohnung …

Wir brauchen eigentlich nicht Energie, sondern Energiedienstleistungen.

    Ziel der Energie- und Verkehrswende: Dieselbe Energiedienstleistung mit halbem   Energieaufwand.

 

Die Belastung fossiler Energien mit einer CO2-Abgabe bewirkt, dass alle Energieträger preislich nachziehen. So können sowohl der geordnete Rückzug aus der fossilen Energie als auch die Reduktion des Gesamtenergieverbrauches gelingen (Abkoppelung von der alleinigen Steuerung der Energieentwicklung durch die Weltmarktpreise, die einmal steigen und dann wieder fallen). Die Errichtung von Ökostromanlagen wird durch die CO2-Abgabe mit der Zeit rentabel, sodass Förderungen auslaufen können und künftig nicht mehr nötig sind.

 

Bei Fortsetzung des Trends der „Energiestrategie Österreich 2020“ wären wir auch 2050 noch zur Hälfte von fossilen Energieträgern abhängig.

 

Durch eine EU-weite CO2-Abgabe würde der Preis des fossilen Stroms generell steigen und zugleich auch der so genannte Marktpreis für Strom an der EEX (European Energy Exchange, Strombörse in Leipzig, an der Strom aus Deutschland, Frankreich und Österreich gehandelt wird) zulegen. Die CO2-Abgabe würde damit auch dem Strom aus erneuerbaren Energiequellen marktgerechte Preise garantieren.

 

4.4 Abgabenhöhe und Steigerungsdynamik:

 

Die politisch zu beschließende Höhe und Steigerungsdynamik der CO2-Abgabe ist abhängig von der Umleitung bisheriger Subventionen für die fossile und atomare Stromwirtschaft hin zu den erneuerbaren Energieträgern und vom Weltmarktpreis für fossile Energieträger. Vorschlag: Anstieg pro Jahr um 0,2 Cent pro kWh als Richtwert. Über das Ausmaß der Steigerungsdynamik (Höhe des jährlichen Anstiegs und Dauer der Dynamik) müssen alle informiert werden, was sowohl für Private als auch für die Wirtschaft Planungssicherheit ermöglicht. Von Zeit zu Zeit kann diese Dynamik nach ihrer Wirksamkeit überprüft werden und je nach Notwendigkeit geändert werden (Verschärfung/Entschärfung, Verlängerung/Verkürzung).

 

Ohne CO2-Abgabe würden die Energiepreise noch längere Zeit relativ niedrig bleiben, sodass sich die Anreize fürs Energiesparen, für Investitionen in mehr Energieeffizienz und für den Umstieg auf erneuerbare Energien in Grenzen halten würden.

 

4.5 Aufkommen aus der CO2-Abgabe:

 

Bei einer CO2-Abgabe auf fossile Brenn- und Treibstoffe in der Höhe von 0,2 Cent pro kWh (2 Cent pro Liter Treibstoff) wäre schon ein Aufkommen von 320 Millionen Euro erzielbar (wenn man 160 Milliarden kWh als Basis annimmt). Eine Anstiegsdynamik mit 0,2 Cent pro Jahr wäre sicher verkraftbar.

 

1.423 PJ betrug der Gesamtenergieverbrauch (Primärenergieverbrauch) Österreichs im Jahr 2013, wobei der fossile Anteil 1.000 PJ ausmachte. Der gesamte energetische Endverbrauch betrug 1.119 PJ (772 PJ fossil, 347 PJ erneuerbar). Davon kamen von den fossilen Brenn- und Treibstoffen ca. 575 PJ für Raumheizung und Verkehr zum Einsatz (fossiler Anteil bei Raumheizung ca. 225 PJ, im Verkehr ca. 350 PJ) – das sind 160 Milliarden kWh.

 

0,2 Cent pro kWh hieße auf Treibstoffe bezogen 2 Cent pro Liter Treibstoff (der Energiegehalt von Benzin und Diesel liegt bei ca. 10 kWh pro Liter). Statt 1,20 Euro würde also ein Liter Treibstoff im ersten Jahr der Einführung der CO2-Abgabe 1,22 Euro kosten, im folgenden Jahr (bei einer Anstiegsdynamik von 0,2 Cent pro Jahr) 1,24 Euro. Usw.

 

Ab dem Zeitpunkt, da die CO2-Abgabe Energieverbrauch-senkend wirksam würde, müsste ein Teil des Aufkommens an den Fiskus als Ersatz für die schwindende MÖSt überwiesen werden. Irgendwann würde es notwendig werden, auch Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu besteuern, wobei die Belastung fossiler Energieträger immer höher sein müsste.

 

4.6 Sozialer Ausgleich:

 

Ärmere Haushalte brauchen besondere finanzielle und beratende Zuwendungen (z. B. geförderte Gerätetausch-Aktionen). Diesen Wohlstands-Nachzüglern muss ein Aufholen ermöglicht werden.  

 

4.7 Rücksicht auf Industrie:

 

Der energieintensiven Industrie muss bei der Energiewende unter die Arme gegriffen werden. Aber sie muss sich auch zur Anpassung entscheiden. „Wirtschaft“ ist nämlich nicht ein absoluter Bereich für sich, sondern Produktion von Gütern und Leistung von Diensten für uns Menschen. Der Klimaschutz erfordert so manche Änderung, auch in der Wirtschaft. Und Änderungen sind immer mit Herausforderungen verbunden – auch mit unangenehmen.

 

4.8 Der Emissionshandel soll durch die CO2-Abgabe ersetzt werden:

 

Man glaubte, der Handel mit Emissionszertifikaten würde zur Reduktion von Klimagasen beitragen. Wie man zugeben muss, führte er aus verschiedenen Gründen nicht zum Erfolg. Er ist auch mit dem Problem behaftet, dass nur große CO2-Emittenten der Industrie und der Stromproduktion zu diesem Handel verpflichtet sind. Mit einer generellen Abgabe auf fossile Energien werden aber alle Sektoren erfasst, die gesamte Wirtschaft, der Verkehr, die Raumwärme und die Haushalte.

 

Die politisch geregelte CO2-Abgabe ist besser geeignet, Investitionssicherheit für alle Investoren im Strommarkt und in der Industrie zu gewährleisten als die ständig schwankenden Preise der Emissionszertifikate.

 

4.9 Wir , der Verein Klimaschutz-Initiative, schlagen die Bildung eines WIFO-Gremiums vor, das sich intensiv mit der Einführung einer CO2-Abgabe auseinander setzt und ein Konzept erstellt.

 

 

Ernst Ulrich von Weizsäcker im Interview: „Ich bin dafür, dass man Energie in kleinen Schritten teurer macht, allerdings im Gleichschritt mit Effizienzgewinn. (…) Wenn Energie langfristig im Gleichschritt mit Effizienzgewinnen teurer wird, wäre das, wenn man es richtig angeht, beinahe ein Nullsummenspiel und sozial verträglich.“ (Oberösterreichische Nachrichten vom 8. Juni 2013)

 

 

Österreich sollte als Pionierstaat diese Chance des lenkenden Eingriffes nützen und auch auf EU-Ebene die CO2-Abgabe fordern, bevor es zu spät ist und die Multis auf Grund von Öl-Verknappung mit dem Ölpreis abfahren, uns damit jeglichen staatlichen Gestaltungsspielraum wegnehmen und selber die Milliarden Euro kassieren.

 

 

 

 

 

5) Schwieriges Thema "Biotreibstoffe":

 

Biotreibstoffe werden in Nischen von Bedeutung sein, z.B. bei der Selbstversorgung der Bauern mit Treibstoff. Ansonsten können Biodiesel und Bioethanol keinen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende im Verkehr beitragen.  

 

Mit dem Forcieren von Biotreibstoffen hat die Politik einen Weg eingeschlagen, der gar nicht zu Ende gegangen werden kann. Es wäre besser gewesen, gleich eine dauerhafte Lösung anzupeilen, deren erster Schritt die Reduktion des Energieverbrauches im Verkehr sein müsste.

 

Genaueres dazu hier und hier

 

 

 

6) Wärmeerzeugung - jeder Energieträger zu seiner Jahreszeit:

 

Wärmedämmung zuerst: Im Sektor Wärme/Kälte ist der erste Optimierungsschritt immer der, durch Dämmung Wärme- bzw. Kälteverluste zu minimieren. Bestehende Häuser sind wärmetechnisch zu sanieren, bei der Errichtung neuer Häuser ist auf Niedrigenergie- bzw. Passivhausstandard zu achten. Automatische Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist ratsam. Mit der Kälte des Erdreiches können im Sommer Räume klimatisiert werden. Die winterliche Kälte der Außenluft kann mit neuer Technik die Kühlarbeit der Kühlschränke unterstützen.

 

Der Sommer gehört der Sonne! Das heißt, für die Warmwasserbereitung und Zusatzheizung ist in der Sommersaison die Sonne zuständig. Auch Kühlen mit der Sonne ist möglich. Ebenso kann in Betrieben die Sonne für Niedertemperatur-Prozesse ihren Beitrag leisten.Es muss dafür gesorgt werden, dass die Sonne einen wesentlichen Beitrag zur Wärmeversorgung leisten kann. Daher müssen Sonnenkollektoren (Solarthermie) und Speicherung der geernteten Wärme zur Selbstverständlichkeit werden.

 

Allerdings ist noch nicht geklärt, was für die Wärmeernte effektiver ist: Solarthermie oder Photovoltaik in Kombination mit der elektrischen Wärmepumpe. Für beide Techniken ist Wärmespeicherung als Ergänzung sinnvoll.

 

Solararchitektur: Mit der richtigen Solararchitektur schütz man im Sommer die Räume vor übermäßiger Aufwärmung, und in der Heizperiode lässt man die Sonnenstrahlen durch große südseitige Fenster herein, sodass die Sonne heizen bzw. mitheizen kann.

 

Biomasse und Biogas im Winter: Holz als wichtigste Biomasse und Wasserkraft sind die bedeutendsten erneuerbaren Energieträger Österreichs. Holz ist als von Natur aus speicherbarer Energieträger für die kalte Jahreshälfte prädestiniert. Es in der warmen Jahreshälfte für Niedertemperatur-Zwecke zu verheizen wäre eine Klimaschutz-Sünde (Beispiel für Ausnahmen: Almhütten). Nur bei der Prozesswärme kann es notwendig sein, Holz, sonstige Energiepflanzen oder Biogas ganzjährig in Wärme umzusetzen.

 

Biogene Abfälle sollen, soweit sie nicht als Bodenbedeckung für die Äcker erforderlich sind,  weitgehend der Biogaserzeugung zugeführt werden. Auch Grasschnitt, der nicht für die Tierfütterung notwendig ist, soll als Substrat für Biogasanlagen dienen. Bei der Verrottung würde hingegen der Energiegehalt in Form von Wärme verloren gehen.

 

Biomethan, das von CO2, Wasserdampf und Schwefel gereinigte Biogas (Biogas besteht zu mindestens 60 % aus Methan, der Rest ist hauptsächlich CO2), kann in Erdgasspeichern für die Heizperiode gelagert werden. Ebenso möglich ist es, das für die Biogaserzeugung nötige Biomasse-Substrat für die Wintersaison zu reservieren (Mist, Gülle, Silieren von Gras…).

 

Biogasanlagen - betrieben von einzelnen Bauern, von bäuerlichen Genossenschaften oder von Gemeinden

 

 

Biomasse- und Biogas-Reststoffe recyclen: Die Holzasche, die wertvollste Stoffe enthält, muss in ein Recycling integriert werden. Die Gülle aus Biogasanlagen ist fast geruchlos und leistet einen essentiellen Beitrag zur Bodenverbesserung bzw. Bodenerhaltung, während mit dem Ausbringen von Frischgülle die Artenvielfalt und die Menge an Bodenflora und -fauna stark beeinträchtigt wird (Ätzwirkung, Sauerstoffentzug durch Umsetzung ihrer Stoffe); außerdem schädigt der bei der Ausbringung entweichende Ammoniak die Wälder. Zur Ressourceneffizienz gehört es auch, dass der (von Schadstoffen befreite) Klärschlamm als Dünger wieder in die Landwirtschaft zurückgeführt wird.

 

Biomasse und Biogas für Kraft-Wärme-Kopplung (Heizkraftwerke, Blockheizkraftwerke): Auch in der kalten Jahreshälfte sind Biomasse und Biogas zu wertvoll, um sie nur für den Wärmebedarf zu verheizen. Effizienter ist es, diese Energieträger in Kraft-Wärme-Kopplung zu verfeuern, also sowohl Wärme als auch Strom zu gewinnen.

 

Kraft-Wärme-Wärmepumpen-Verbund:

a)   Das Heizkraftwerk versogt den geschlossenen Siedlungsraum mit der Fernwärme.

b)  Der Strom wird ins Stromnetz gespeist.

c)   Ein Teil dieses Stroms dient den abgelegenen Weilern und Häusern, die mit der Fernwärme nicht erreichbar sind, um mit Hilfe elektrischer Heizungswärmepumpen den erneuerbaren Energieträger „Umgebungswärme“ – natürlich ökologisch verträglich – nutzen zu können. Mit einer kWh Strom werden im Schnitt drei kWh Heizenergie gewonnen.

d)  Dieser Verbund gewährleistet Ausgewogenheit zwischen Fernwärmebedarf und Strombedarf für die Wärmepumpen. Denn wenn bei sehr kalter Außenluft das Heizkraftwerk auf Hochtouren läuft, wird auch genügend Strom für die Wärmepumpen erzeugt.

 

Wärmepumpen-Diskussion: Vertretbar sind Heizungswärmepumpen, die der Außenluft oder dem oberflächennahen Boden (Erdkollektor) Wärme entziehen. Bei Wärmeentzug ausder Außenluft gibt es allerdings das Problem, dass gerade zur Zeit hohen Wärmebedarfs der Wirkungsgrad der Wärmepumpen wegen der niedrigen Temperatur der Außenluft sehr gering ist und daher der Stromverbrauch in die Höhe schnellt – und das eben zu der Zeit, da der Stromverbrauch generell hoch ist und daher enormer Spitzenstrom-Bedarf herrscht.

 

Problematisch könnten Wärmepumpen sein, die dem Grundwasser Wärme entziehen oder durch Wärmeentzug aus Tiefenbohrungen tektonische Spannungen hervorrufen.

 

Es gibt grundsätzliche Debatten darüber, ob es verantwortbar ist, Strom fürs Heizen und für die Warmwasserbereitung zu verwenden. Einigkeit herrscht darüber, dass die elektrische Widerstandsheizung (Strom direkt in Wärme umwandeln, d. h. 1 kWh Strom = 1 kWh Wärme) nur in Ausnahmefällen ihre Berechtigung hat. Der Einsatz elektrischer Heizungswärmepumpen wird nicht von allen Ökologen gutgeheißen. Man könnte sich einigen auf den Grundsatz, dass der Einsatz von Strom zum Betrieb von elektrischen Heizungswärmepumpen (außer von der eigenen Photovoltaikanlage) nur – wie oben dargestellt – in abgelegenen Gebieten, die von der Fernwärme nicht erreichbar sind, vertretbar ist.

 

Durch Sonnenkollektoren (gepaart mit großen Wärmespeichern), durch Wärmepumpen und Solararchitektur ist ein beachtlicher Beitrag zur Niedertemperaturwärme möglich.

 

Kritikpunkt an der derzeitigen Energiewende-Praxis:

 

Ineffizienter Biomasseeinsatz:

 

Hackschnitzelheizungen, Pelletsöfen und Nahwärmeanlagen auf Hackschnitzelbasis können nur als Übergangslösung betrachtet werden und müssen daher in Zukunft auch bei der Förderung als solche behandelt werden. Denn Biomasse kann nur – wie oben dargestellt wurde – in Kraft-Wärme-Kombination effizient verfeuert werden. Außerdem ist Biomasse ein knappes Gut und zu wertvoll, um bloß in großem Stil für die Erzeugung von Niedertemperaturwärme verbrannt zu werden.

 

Nahwärmeanlagen werden in Zukunft in Heizkraftwerke umgewandelt werden.

 

Auch bei der Biogasgewinnung und -verbrennung fehlt es derzeit meist an Effizienz. Es ist heute üblich, Biogasanlagen das ganze Jahr hindurch zu betreiben und das gewonnene Biogas für die ganzjährige Stromerzeugung zu verwenden. Die Abwärme muss in der warmen Jahreshälfte entsorgt werden oder wird an einen Abnehmer billig verkauft (z. B. an jemanden, dem die Wärmegewinnung aus der Sonnenstrahlung zu teuer ist). Dazu kommt ein weiters Problem: Viele Biogasanlagen werden mit Mais und Getreide gespeist, was an sich schon höchst bedenklich ist, denn für die Biogaserzeugung sollten nur biogene Abfälle (Mist, Gülle, Fäkalien ...) und Gras, das nicht der Fütterung dient, verwendet werden. Weiters muss damit gerechnet werden, dass für die Produktion des Substrats (Getreide, Mais) synthetische Dünger und Spritzmitteln verwendet werden, was an sich schon die Ökobilanz massiv drückt und noch dazu aus Energieeffizienz-Sicht äußerst bedenklich ist, weil für die Herstellung von synthetischem Dünger und von Spritzmitteln hoher Energieaufwand notwendig ist.

 

Energieeffizienz muss einerseits in Form klarer Richtlinien vorgeschrieben werden, andererseits müssen die Rahmenbedingungen (einschließlich Förderungen) dahingehend geändert werden, dass sich Energieeffizienz sowohl bei der Energieernte als auch bei der Energiebereitstellung und beim Energieeinsatz rechnet und fehlende Effizienz sich negativ zu Buche schlägt.