12. April 2014: Gifte in der Landwirtschaft

 

Hunderte verschiedene Giftstoffe werden jährlich auf Österreichs Feldern versprüht. Mais, Raps, Weizen, Salat, Äpfel, Weintrauben usw. sollen vor Insekten, Unkräutern und Pilzen geschützt werden. Wie sich die Giftstoffe im Boden, in Gewässern und nicht zuletzt in unseren Lebensmitteln anreichern, ist wenig erforscht. 

 

„In vino veritas“ – „Im Wein ist Wahrheit“ – so lautete ein Spruch der Römer. Doch dieser Wahrheit muss man heute mühevoll auf die Spur kommen. Das Aktionswerk gegen Pestizide (PAN) ist ein Zusammenschluss von weitweit mehr als 600 Organisationen, vor allem aus dem Umweltbereich. Dem altrömischen Motto folgend, hat PAN vierzig verschiedene Rotweine zur Analyse ins Labor geschickt. Das Ergebnis der Studie, die von Gruppen wie Greenpeace Deutschland unterstützt wurde, ist besorgniserregend. In 35 Flaschen wurden Pestizid-Rückstände entdeckt. Darunter sind fünf Substanzen, die als krebserregend gelten oder das Erbgut verändern können.

 

Wir haben einerseits eine durch Monokulturen gekennzeichnete und auf möglichst hohen Profit ausgerichtete konventionelle Landwirtschaft, die andererseits durch real fallende Preise zu immer höherer Produktivität gezwungen wird. Um dem wirtschaftlichen Druck standhalten zu können, muss man wachsen oder weichen: immer weniger Bauern mit immer größeren Flächen.

 

Pestizide („Pflanzenschutzmittel“) werden eingeteilt in:

- Fungizide gegen Pilze

- Insektizide gegen Insekten

- Herbizide gegen Unkräuter

 

Die weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid-Gruppe sind die Glyphosate. Sie werden nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch auf Bahndämmen, in privaten Gärten und sogar auf Kinderspielplätzen ausgebracht, weil sie angeblich laut Hersteller harmlos sind. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von Global 2000, berichtet hingegen, dass Glyphosat in Tierversuchen hormonelle Wirkung zeigte und Krebs auslösen kann.

 

Global 2000 und der europäische Dachverband „Friends of the Earth“ haben im Vorjahr Urinproben von 182 Testpersonen in 18 europäischen Ländern genommen. Ergebnis: 90 Personen hatten Glyphosat oder das Glyphosat-Abbauprodukt AMPA im Körper. In einigen europäischen Ländern waren neun von zehn Personen betroffen, in Österreich immerhin jede dritte.

 

Nach der Veröffentlichung des Ergebnisses wurde das so genannte Totspritzen von Getreide verboten (Totspritzen: Das Getreide auf den Feldern wird kurz vor der Ernte mit Glyphosat besprüht, damit alle Pflanzenteile absterben und austrocknen, um das Korn leichter ernten zu können). 

 

Systematische Untersuchungen auf Glyphosat im Boden, im Wasser  und in Sedimenten gibt es in Österreich nicht. Auch bei der Messung im Jahr 2012 wurde nicht nach Glyphosat im Grundwasser gefahndet.

 

Neben den Glyphosat-Arten gibt es eine zweite Gruppe von Pestiziden: die Neonicotinoide. Es handelt sich bei ihnen um Insektizide. Sie stehen im Verdacht, auch für Menschen schädlich zu sein. Bis voriges Jahr wurden sie zum Beizen von Maissaatgut verwendet. Weltweit bangt man aber auch um die Zukunft der Bienen.      

 

Dabei wäre es nicht schwierig, die Maisfelder vor dem Maiswurzelbohrer zu schützen, nämlich durch Fruchtfolge!

 

Werte wie Fruchtfolge, Gründüngung, Artenvielfalt, Bodenleben, hoher Humusgehalt, gesunde Pflanzen, Einsatz natürlicher Feinde usw. müssen an Bedeutung zulegen. Es führt kein Weg vorbei an der Ökologisierung der Landwirtschaft.

 

Hauptsächlich verwendete Quelle: Salzburger Nachrichten vom 12. April 2014

 

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