15. September 2018: Der Klimaschutz ist aktuell immer noch nur wenigen ein wirkliches Anliegen

 

In einem Leserbrief an die Kronenzeitung schreibt eine Leserin: „Der Klimaschutz ist eine Chimäre (Trugbild, Hirngespinst), das heißt, es gibt ihn in Wirklichkeit nicht, denn das Weltklima lässt sich nicht schützen. Es gehorcht nicht menschlichen Bemühungen, sondern eigenen Gesetzen. Wie bereits vielfach nachgewiesen wurde, kommen die Einflüsse auf das Klima von außen, aus den Sphären des Weltraums.“ (1)

 

Ja, es gibt die „Einflüsse von außen“, z. B. von variierender Sonnenaktivität und von kosmischer Strahlung. Aber zu behaupten, menschliche Aktivitäten hätten keine Auswirkungen auf das Klima, grenzt an Unverfrorenheit. Der Leserbriefschreiberin ist offensichtlich nicht klar, dass der Mensch durch die Emission bestimmter Gase die Zusammensetzung der Luft verändert und somit auch die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Atmosphäre. Die Luft an sich ist schon ein Treibhausgas (78 % Stickstoff, 21 % Sauerstoff, 1 % Spurengase) und hält die Erdoberfläche relativ gleichmäßig warm. Das heißt, sie lässt die Sonnenstrahlen, die ja kurzwellig sind, auf die Erdoberfläche treffen, behindert aber die Abstrahlung von der aufgewärmten Erdoberfläche, die in langwelliger Form, nämlich als Infrarot, erfolgt. Ohne Lufthülle würde auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von -18 Grad Celsius herrschen.

 

Der in der Luft enthaltenen Wasserdampf weist besonders starke Treibhausgas-Wirkung auf. Andere Treibhausgase befinden sich nur in Spuren in der Luft. So z. B. das Kohlenstoffdioxid (CO2). Vor der Industrialisierung war es mit 0,028 Prozent als natürlicher Bestandteil in der Luft enthalten, derzeit aber bereits mit 0,041 Prozent (vor allem durch Verbrennung fossiler Energieträger). Andere Treibhausgase (häufig aus menschlicher Aktivität stammend) sind: Methan, Distickstoffoxid (Lachgas), bodennahes Ozon, Fluor-Gase und andere Gase.

 

Wie oben erwähnt, betrug vor der Industrialisierung der CO2-Gehalt in der Luft 0,028 Prozent, 1958 aber bereits 0,0315 Prozent und überschritt heuer erstmals die Grenze von 0,041 Prozent. Wie die weiter zurückliegende Analyse von Eisbohrkernen zeigte, schwankte der CO2-Gehalt der Atmosphäre zwar immer wieder, aber mehr als 0,030 Prozent betrug er während der vergangenen 800.000 Jahre nie. (2)

 

Gegenargumente zum Leserbrief:

 

Faktum eins: Die globale Durchschnittstemperatur steigt. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag 2016 um 1,2 Grad Celsius höher als zu Beginn der Messungen um 1850. (3) Das Pariser Abkommen von 2015 sieht die absolute Grenze bei zwei Grad Celsius. Bleibt uns demnach noch ein Rest von 0,8 Grad, den wir eigentlich unterschreiten sollten, wie es das Pariser Abkommen dringend rät.   

 

Faktum zwei: Wir Menschen – am meisten wir Bewohner der Industriestaaten – beeinflussen das Klima. Aber wie stark der Einfluss des Menschen ist – im Verhältnis zu außermenschlichen Einflüssen – das wissen wir nicht. Ist der Einfluss der Menschheit stark? Oder eher gering? Wir wissen es nicht.

 

Faktum drei: Trotz der Ungenauigkeit von Klimaprognosen lässt sich eines klar sagen: Unser Planet verändert sich, wenn es wärmer wird. Es gibt Anzeichen, dass es dort, wo es früher fruchtbar war, trockener wird – und umgekehrt. Windströmungen verändern sich, ebenso die Lage, die Zeitdauer und Größe der Hochs und Tiefs. Und es gibt Hinweise, dass die Entwicklungen sprunghafter werden. Aber wir wissen nicht genau, was uns im Detail bevorsteht, wenn wir nicht gegensteuern. Zu komplex ist das Erdenklima, um alle Daten miteinander zu verknüpfen. Die Lufthülle steht in ununterbrochenem chemischen und physikalischen Kontakt mit den Landmassen und den Ozeanen.

 

Faktum vier: Wir haben es zum Teil mit dem Fehlen von 100-%-igen Beweisen zu tun und müssen uns mit Vermutungen und Annahmen zufrieden geben. Da es um unsere Lebensgrundlagen geht, ist es klug, ja höchst notwendig, die negativen Vermutungen und Annahmen in höchstem Maße ernst zu nehmen und vorsorglich rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen. Würde man die Vermutungen und Annahmen nicht ernst nehmen – vielleicht in der Hoffnung, es werde schon nicht so schlimm kommen –, dann wären die Folgen im Falle des Irrtums fatal. Würde man auf Grund des Fehlens von 100-%-igen Beweisen so weitermachen wie bisher, so  würde man sich auf ein gigantisches Risiko einlassen. Dazu Kurt Weinberger,  Chef der Hagelversicherung: „Wenn in einem Unternehmen die Manager so massive Risikofaktoren ignorieren würden, fliegen sie raus. Eine kluge Gesellschaft und kluge Unternehmer beachten Ökonomie und Ökologie.“ (4)

 

 

Das Problem ist, dass wir die Treibhausgase nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken. Sie sind ständig da, aber nicht erlebbar. Erlebbar sind nur die Folgen, und dies auch meist nur örtlich bzw. zeitlich begrenzt. Selbst nach großen Katastrophen kommt es rasch wieder zum Vergessen, sogar in den betroffenen Gebieten. Dazu gesellt sich das Problem, dass aktiver Klimaschutz Verhaltensänderungen fordert, also in unser Leben eingreift.

 

Bleibt die Hoffnung, dass uns die Stabilisierung der Treibhausgas-Emissionen rechtzeitig gelingt.       

 

 

Quellen:

(1) Wurde in der Kronenzeitungs-Ausgabe vom 26. Juni 2018 veröffentlicht

(2) Klimablog von Martin Stricker in den Salzburger Nachrichten vom 7. Mai 2018

(3) Interview der Redakteurin Barbara Morawec mit Petra Stolba in den Salzburger Nachrichten vom 15. September 2018, Seite 9

(4) Oberösterreichische Nachrichten vom 6. September 2018