22. November 2017: Ohne CO2-Abgabe geht es nicht (I)

 

 

Deutschland geht beim Ausbau der Stromgewinnung aus Windkraft und Photovoltaik viel konsequenter vor als Österreich. Die Stromschwemme führt aber dazu, dass österreichische Stromkonzerne an der Strombörse in Leipzig extrem günstig einkaufen können – oder zeitweise den Strom sogar geschenkt oder gar mit einer Belohnung („Negativpreis“) erhalten. Ist das nicht toll? Nein, ist nicht toll! Denn die Auswirkungen auf den österreichischen Strommarkt sind verheerend.

  

Trotz Kleine Ökostromnovelle vom Juni 2017 besteht z. B. bei den 130 Holzkraftwerken Österreichs die Gefahr, dass sie in den nächsten Jahren zusperren müssen, wenn das Ökostromgesetz nicht neuerlich novelliert wird.   

 

Viele Grünstromproduzenten sind in ihrer Existenz bedroht. Besonders hart trifft es jene, deren Förderung ausgelaufen ist. Der Grünstromausbau gerät ins Stocken, wenn nicht weiterhin gefördert wird.

 

Tatsache ist, dass bei solchen Marktpreisen die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Quellen nicht konkurrenzfähig ist und daher gefördert werden muss. Andererseits ist klar, dass man die wachsende Zahl von Grünstromanlagen nicht unbegrenzt lang fördern kann. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Errichtung von Speicheranlagen, die für Ausgleichsstrom als Ergänzung zu Wind- und Sonnenstrom enorm wichtig wären, bei diesen niedrigen Strommarktpreisen nicht rentiert.    

 

Die Lösung all dieser Probleme ist relativ einfach: Man müsste fossile Brenn- und Treibstoffe und Fossilstrom (und Atomstrom, um ein Ausweichen zu verhindern) mit einer in kleinen Schritten steigenden CO2-Abgabe belasten (gepaart mit Sozialkomponente). Zum Ausglich müsste man die Lohnnebenkosten senken. Österreich könnte mit anderen Pionierstaaten in der EU als Vorreiter fungieren. Nur mit einer CO2-Abgabe kann es im Energie- und Verkehrsbereich zu einem Reduktions- und Substitutionsprozess kommen. Außerdem nehmen wir mit dieser Abgabe die Entwicklung in Richtung Klimaschutz selbst in die Hand und lassen uns nicht länger von den Ölländern gängeln.

 

Durch Nutzung der Effizienzpotenziale können wir die CO2-Abgabe kompensieren. Die Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen würde generell konkurrenzfähig werden, sodass sich Förderungen bald erübrigen würden. Und die Errichtung von Speicheranlagen, die für Ausgleichsstrom als Ergänzung zu Wind- und Sonnenstrom enorm wichtig sind, würde sich endlich rentieren.