28. September 2018: Der Audi e-tron – ist er der richtige Weg zum E-Auto?

 

 

Die gute Nachricht: Die Zahl jener Damen und Herren, die weiterhin behaupten, das E-Auto hätte keine Zukunft, wird immer kleiner. Es ist klarer denn je, dass die elektrische Energie die energetische Hauptsäule des Verkehrs werden wird. Denn wenn man davon ausgeht, dass der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen eine Hauptforderung unserer Zeit ist, dann heißt das, dass Energie zu einem beträchtlichen Teil als Strom geerntet werden wird. Das passt außerdem zur Tatsache, dass der E-Motor den Strom mit hohem Wirkungsgrad in Kraft umsetzen kann und daher dem Verbrennungsmotor überlegen ist.

 

Im Spektrum der erneuerbaren Energien stehen drei Energieträger zur Verfügung, nämlich Biomasse/Biogas, Grünstrom und solare (und geothermale) Wärme. Für Grünstrom spricht die Tatsache, dass er in viele andere Energieformen umgewandelt werden kann, und das bei relativ geringen Verlusten.

 

Grünstrom wird geerntet

 

- als Primärstrom von Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik

- und als Sekundärstrom von Biomasse-Heizkraftwerken (und eventuell Strom von solarthermischen bzw. geothermischen Kraftwerken).

- Biomasse und Biogas werden eher einen kleineren Beitrag zur Energieversorgung des Verkehrs leisten können, weil sie zur Erzeugung von Raum- und Prozesswärme dringend gebraucht werden.

 

Die schlechte Nachricht: Rund um das E-Auto werden leider auch Halbwahrheiten und wenig Durchdachtes, ja sogar Falschmeldungen verbreitet.

 

Folgendes ist daher zu beachten:

 

- Es genügt nicht, dass die Politik sich für die Ausbreitung des E-Autos einsetzt. Sie muss auch dafür sorgen, dass das Problem des Stromimport-Überschusses (z.T. von Kohle und Atomenergie) ernst genommen wird. Jeder Staat muss sich bemühen, bei Energie weitgehend von Energieimporten unabhängig zu werden.

 

- Totalumstieg auf erneuerbare Energiequellen heißt, dass wir den Energieverbrauch halbieren müssen. Studien belegen, dass bis 2050 nur etwa die Hälfte unseres heutigen Gesamtenergieeinsatzes erneuerbar und ökologisch und sozial verträglich im Inland aufbringbar ist. Die andere Hälfte muss – wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen wollen – durch mehr Effizienz und Sparsamkeit „abgearbeitet“ werden. Das gilt selbstverständlich auch für den Verkehrssektor und bedeutet hier so viel wie: In zunehmendem Maße motorisierten Verkehr vermeiden bzw. zu effizienteren Verkehrsträgern verlagern.

 

- Dem Audi e-tron kann vor diesem Hintergrund nur als Ausnahme ein Platz eingeräumt werden.  

 

- Es steht uns die enorme Herausforderung bevor, den derzeitigen Gesamtenergieeinsatz zu halbieren, also Öl, Kohle und Erdgas in Richtung Hälfte zu reduzieren. Gleichzeitig müssen Grünstrom, Biomasse/Biogas und solare (und geothermale) Wärme die fossilen Energieträger ersetzen, und zwar in allen Sektoren. Grünstrom kann daher nicht nur dem E-Verkehr zur Verfügung stehen. Unangebracht sind deshalb Aussagen zum E-Auto wie: „An Strom werde es nicht mangeln, Elektrizität sei genug vorhanden.“

 

- Es ist ein Irrtum zu glauben, Strom könnte allein dem Verkehrssektor zur Verfügung stehen. Strom wird im Verkehrssektor direkt und/oder indirekt die energetische Hauptsäule werden. Er muss aber auch in anderen Sektoren "mithelfen", fossile Energie zu ersetzten.

 

- Der derzeitige Trend zu stark motorisierten, schweren Auto-Riesen ist insofern nicht zukunftstauglich, weil er dem Klimaschutz widerspricht. Das gilt selbstverständlich auch für E-Auto-Riesen!